Auf den Spuren der NS-Zeit
Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid

Rundgang 1: Partei und Staat
13 Stationen zu Fuß erreichbar (ca. 60 Minuten);
3 Stationen per Auto

1: Alte Rathausstr. 1: "Altes Rathaus"

2: Neben Corneliusstr. 39: Alte Stadtbücherei/ Alte Feuerwache

3: Corneliusstr. 39: Ehemaliges Arbeitsamt

4: Corneliusstr. 29: Ehemaliges Finanzamt

5: Jokuschstr. 2: NSDAP-Kreisleiterbüro

6: Wilhelmstraße 1: Versammlungslokal der SS

7: Altenaer Strasse 5: Ehemaliges Gesundheitsamt: Zwangsterilisationen und Euthanasie

8: Rathausplatz 3-7: (früher: Knapper Str. 7): Reichspogromnacht: Geschäft Lebenberg

9: Rathausplatz 3-7: (früher: Knapper Str. 7): Reichspogromnacht: Geschäft Ripp

10: Rathausplatz: (früher: Adolf-Hitler-Platz): Drei Deserteure

11: Rathausplatz 21: Haus der Gewerkschaft

12: Rathausplatz 17: (früher: Knapper Str. 17): Geschäft Ripp

13: Friedrichstrasse 3: Ehem. Gestapo Lüdenscheid


14: "Haus der Jugend",
15: ehem. Städt. Krankenhaus,
16: ehem. Amtsgericht






Partei und Staat (1):
Alte Rathausstr. 1:
"Altes Rathaus"


Kurzvortrag:
"Der doppelte Schreibtisch"


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Im Rathaus lief die Macht der NSDAP zusammen. An einem doppeltem Schreibtisch saßen sich bereits seit 1933 Polizei und SA gegenüber.

In den Jahren 1933, 1935, 1938 und 1942 erstellte das Einwohnermeldeamt für die Gestapo die Listen über die jüdischen Einwohner.
Ab 1938 wurden in die Personalausweise ein "J" eingestempelt, sowie die Zwangsnamen "Sara" bzw. "Israel" eingestempelt.

Ebenfalls im Rathaus befand sich die Lüdenscheider Polizeistation im Rathaus. Die heutige Gedenkstätte "Ge-Denk-Zellen" waren die Haftzellen.


Partei und Staat (2):
Nähe Corneliusstr. 47:
Alte Stadtbücherei/ Alte Feuerwache


Direkt rechts neben dem heutigen Lehrerseminar, auf der heutigen Einfahrt zum Parkdeck, befand sich das Haus der Feurwehr.
In der 1. Etage war die Bücherei untergebracht.

Dem Zeitgeist der Nationalsozialisten entsprechend wurde auch die Stadtbücherei gestaltet. Von ca. 14.000 Büchern wurden ca. 4.000 entfernt und zum großen Teil von der Feuerwehr am 24.1.1934 verbrannt. Das Gebäude der Feuerwehr stand rechts neben dem heutigen Studienseminar und damaligen Arbeitsamt.


Partei und Staat (3):
Corneliusstr. 39:
Ehemaliges Arbeitsamt


Das Arbeitsamt in der NS-Zeit, Corneliusstr. 39 war die wichtige Behörde, die Arbeitszwang und -disziplin in Zusammenarbeit mit anderen Ämtern und der Polizei durchsetzte. Menschen mußten immer mehr arbeiten. Ab 1936 wurde die Möglichkeit der Wahl des Arbeitsplatzes immer mehr eingeschränkt und mehr Zusatzarbeit verlangt. Angefangen mit der Hitlerjugend, dem Arbeitsdienst, über den Militärdienst bis hin zur Lohnarbeit stellten die führenden Partei- und Regierungsmitglieder die Menschen immer stärker in den Dienst des Nationalsozialismus.

Adolf Hitler formulierte das so:
"Der Arier faßt Arbeit auf als Grundlage zur Erhaltung der Volksgemeinschaft unter sich, der Jude als Mittel zur Ausbeutung anderer Völker"
(Rede vom 12.8.1922).
"Der Arier ist nicht in seinen geistigen Eigen-schaften an sich am größten, sondern im Ausmaße der Bereitwilligkeit, alle Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen"
(Mein Kampf, S. 326).

Dafür wurde immer mehr Zwang ausgeübt. Die Anwerbung der Fremdarbeiter, die Zwangsmaßnahmen zum Einsatz der Zwangsarbeiter und die Einweisung in die Arbeitserziehungslager, wo 5-10% ums Leben gebracht wurden, zählten zu den vielen Aufgaben des Arbeitsamtes im Dienst des Nationalsozialismus, der Aufrüstung und der Kriegsproduktion.


Partei und Staat (4):
Corneliusstr. 39:
Ehemaliges Finanzamt

Das Finanzamt, Corneliusstr. 39, zog in Zusammenarbeit mit den Geldinstituten die Vermögen der deportierten Juden ein und organisierte den Verkauf von deren beschlagnahmten Besitz.

Sie waren auch für die Reparationszahlungen der Juden nach dem Pogrom am 9./10. Nov. 1938 und für die vielen Sondergebühren zuständig, die Juden zahlen mußten, z.B. bei der Ausreise/Flucht.


Partei und Staat (5):
Jokuschstraße 2:
Ehemaliges Büro des NSDAP-Kreisleiters


Kreisleiter Walter B., Kaufmann (NSDAP-Kreisbüro: Horst-Weßel-Str. 8), war ab 1933 ...
... Führer des „Sozialismus der Tat“,
... Berichterstatter der „Volkßtimmung“,
... Schiedsmann,
... Führer des Antisemitismus: Listen, Boykotts, „Arisierung“, Reichspogromnacht u.a.

Als mächtigster Politiker in Stadt und Kreis Altena-Lüdenscheid schlug er Karl S. zum Oberbürgermeister vor, wurde 1944 Kreisleiter in Dortmund (Zeit der Rombergpark-Morde) und beging Selbstmord.


Partei und Staat (6):
Wilhelmstraße 1:
Versammlungslokal der SS

Die SS traf sich an der Wilhelmstraße 1.

Sie verstand sich als Elite von Herrenmenschen, die den Raßegedanken als biologischen und sozialen Wahn so verwirklichte, daß Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen und Menschen mit Behinderungen das Leben genommen wurde, um das deutsche Volk zu stärken.


Partei und Staat (7):
Altenaer Straße 5:
Ehemaliges Gesundheitsamt: Zwangsterilisationen und Euthanasie


Kurzvortrag:
"Balastexistenzen"
"Leere Menschenhülsen",
"Lebensunwertes Leben"



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Liedvortrag R. Drallmeyer:
"Euthanasie"





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Nach den neuen NS-Gesetzen legte das Gesundheitsamt, Altenaer Str. 5, die "Erbgesundheitskartei" an.
Mit ihr wurden die Heiratserlaubnisse erteilt, Zwangssterilisationen von 204 Lüdenscheidern und Lüdenscheiderinnen vor 1939 meistens im städtischen Krankenhaus eingeleitet und Homosexuelle verfolgt.

Das damalige Gesundheitsamt war auch an den Vorbereitungen der 55 Euthanasiemorde beteiligt. 23 Lüdenscheider wurde in Hadamar ermordet. Dort mahnt eine Gedenkstele: "Mensch - Achte den Menschen".

Das Gesundheitsamt arbeitete auch mit den 26 Lüdenscheider Ärzten, mit Richtern, Schulen, Polizei, Krankenhaus, Sozialamt und Landeskliniken zusammen.

Das neue Denken einer gesunden Menschenrasse wurde auch von den NS-Krankenschwestern/ Reichsschwestern vertreten, denen 1937 die Stadt die Leitung des Pflegedienst im Krankenhaus übertrug, der vorher von evangelischen Krankenschwestern geleistet wurde.
Auch in Lüdenscheid wurde zwangsterilisiert.

Eine Schwesternhelferin hat sich kurz nach Ende des Krieges wieder erinnert:

"Eines Tages hatte ich in dem unteren Krankensaal zu tun und sah, wie Schwestern und/oder Pfleger (vielleicht auch ein Arzt) sich bemühten, einen Patienten zu beruhigen und festzuhalten. Er war ein kräftiger, prächtiger junger Mann mit leicht dunkler Haut und schwarzen Haaren, der sich ganz wild gebärdete. Ich konnte mir keinen Reim daraus machen und hörte nachher auf der Station: 'Ein Zigeuner - er ist zur Sterilisation hier.' Die Operation stand wohl bevor. Sterilisation? Mit meinen damals 19 Jahren war ich noch ziemlich unbedarft und konnte das nicht einordnen."

(Quelle: "Lüdenscheider Gedenkbuch für die Opfer von Verfolgung und Krieg der Nationalsozialisten 1933-1945"; HG: Bündnis für Toleranz und Zivilcourage - gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit, Friedensgruppe Lüdenscheid; 2. Aufl. Sept. 2007; ebd. S. 9 f.)


Partei und Staat (8):
Rathausplatz 3-7 :
(früher: Knapper Str. 7): Reichspogromnacht: Geschäft Lebenberg


Nachdem die jüdischen Geschäftsleute das Textilhaus Alsberg und das Kaufhaus Tietz 1933 aufgeben mußten, war das Textilgeschäft Lebenberg an der Knapperstr. 7 (an der Südseite des damaligen Adolf-Hilter-Platzes, heute: Rathausplatz) das größte und beliebte Textilgeschäft in Lüdenscheid. Eigentümerin war Frau Irmgard Cahn. Ihre Buchhalterin berichtete 1949:

"Am 9.November 1938 wurden die Schaufenster des Hauses zerstoert. Die Gestapo schloß das Geschaeft. Die Inhaber und das Personal durften es nicht mehr betreten. Die Polizei nahm die Schlüßel zum Geschäft an sich. Der Inhaber Oscar Cahn wurde in das K.Z. Oranienburg geschafft. Ich war als Angestellte des Geschäftes 'mit voller Station' angestellt und lebte daher in dem Haushalt der Eheleute Cahn. Nach der Verbringung des Herrn Cahn in das K.Z. wurde Frau Imrgard Cahn vor die Gestapo geladen. Sie kam zurueck mit der Nachricht, ein Beamter habe ihr eroeffnet, daß kein Textilwarengeschaeft in dem Hause mehr geduldet wuerde, und daß das Haus der 'Partei' zum Verkauf ueberlaßen werden mueße. Wenn Frau Cahn das tue, habe sie die Chance, ihren Mann aus dem Lager zurueckzubekommen. Sonst nicht. Frau Cahn hat daraufhin mit mir und einem Mieter im Hause beraten. Wir waren mit Frau Cahn der Ansicht, daß ihr nichts anderes uebrig bleibe als zuzustimmen, wenn sie ihren Mann freibekommen wolle. Spaeter erschienen mehrere Beamte der Arbeitsfront in Uniform. Ich durfte in dem Zimmer, wo verhandelt wurde, nicht zugegen sein, erfuhr aber unmittelbar im Anschluß daran immer alle Einzelheiten. Nach Frau Cahn's Bericht hatten die uniformierten Beamten daßelbe erklaert wie der oben erwaehnte Beamte der Gestapo und ferner, daß sie ihr einen Kaeufer stellen wuerden. Nicht lange darauf erschienen die uniformierten Leute wieder und brachten einen Mann mit, der der Frau Cahn als der Wirt Rueb aus Hagen und als Kaeufer vorgestellt wurde. Frau Cahn berichtete auch ueber den von der Arbeitsfront festgelegten Preis fuer das Haus und Inventar, gegen den sie keinen Widerspruch erheben konnte."

(Quelle: Sta Münster Hagen Rück 13888 Bd.1)


Partei und Staat (9):
Rathausplatz 3-7 :
(früher: Knapper Str. 7): Reichspogromnacht: Geschäft Ripp


Julius und Lina Ripp führten ein Bekleidungsgeschäft direkt neben dem Textilgeschäft Lebenberg. Später wurde das Geschäft in dem Haus Knapper Str. 17 (heute Rathausplatz 17 - s. Rundgang-Station 12) weitergeführt.


Partei und Staat (10):
Rathausplatz: Früher: Adolf-Hitler-Platz


Heini Wiegmann

In der Sitzung vom 18. April 1933 beschloß der Lüdenscheider Stadtrat "auf Antrag der Fraktion der NSDAP und des Kampfbundes Schwarz-Weiß-Rot einstimmig" die Übertragung der Ehrenbürgerschaft an den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Reichskanzler Hitler.

"Der Bürgermeister erklärte, daß der Magistrat diesem Beschluß einmütig zustimme. Die Stadtversammlung beschloß fernerhin einstimmig die Benennung des Karlsplatzes als Adolf-Hitler-Platz" (Ratsprotokoll).
Gegen die Ehrenbürgerschaft Hitlers nahmen die Vertreter der SPD Stellung und blieben deshalb der Sitzung fern. Deshalb wurden sie genauso wie die Kommunisten für immer ausgeschloßen.

9.4.1945:
Vier Tage vor der Befreiung der Stadt durch US-Truppen wurden unter Bäumen (sie wurden im Rahmen der Platzumgestaltung 2003/ 2004 vor dem heutigen Rathaus-Haupteingang gefällt) die uniformierten Leichen von Fritz Gaß (19) Alex Kamp (34)und Heini Wiegmann (19). zur Schau gestellt.

Die drei Soldaten waren am 29.3. von der Feldgendarmerie verhaftet und am 1.4.1945 zum Tod verurteilt worden.
Fritz Gaß ruht auf dem Gräberfeld für die Opfer des Zweiten Weltkrieges auf dem Friedhof Dammstraße.

Von Heini Wiegmann ist folgender Abschiedsbrief bekannt geworden:

"Meine herzallerliebsten Eltern, meine liebe Agnes u. kl. Helgalein, sowie Männe, Fam. Friedrich Wiegmann und Fam. Born. Durch einen Kameraden schicke ich Euch diese Zeilen, es sind die letzten, die ich Euch senden kann. Denn heute am ersten Ostertag, wurde ich vom Standgericht Lüdenscheid zum Tode verurteilt. Meine Liebe zu Euch war mein Tod.[1] Lebt alle wohl und laßt es Euch gut gehen."

[1]: Mit "Liebe zu Euch" ist der von ihm überzogene Heimaturlaub gemeint.

Am 13. April 1945 rückten amerikanische Truppen in Lüdenscheid ein.

1998 hat der Deutsche Bundestag mit dem "Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege und von Sterilisationsentscheidungen der ehemaligen Erbgesundheitsgerichte" [3] anerkannt, daß u. a. die Todesurteile und die Fahnenflucht aus der Wehrmacht der Nationalsozialisten nicht als Verbrechen einzustufen sind. Der Zweite Weltkrieg wurde gegen geltendes Recht geführt. Somit handelten die meisten Fahnenflüchtigen rechtmäßig.

(Textquelle, u.a.: pluspedia.de - Liz.: cc by sa3.0)


Partei und Staat (11):
Rathausplatz 21: Früher: Adolf-Hitler-Platz: Haus der Gewerkschaft


Heini Wiegmann

Die NSDAP führte den 1. Mai als arbeitsfreien Tag ein.

Am 2. Mai 1933 lösten SA und Polizei den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund auf und verhafteten die Geschäftsführer. Die Deutsche Arbeitsfront der NSDAP übernahm den Besitz und setzte das Führerprinzip in den Betrieben durch. Die Arbeiter wurden machtlos. Sie verloren mit der Einführung der Arbeitsbücher das Recht, den Arbeitsplatz frei zu wählen.

In Lüdenscheid wurde bis zur endgültigen Regelung Parteigenoße Arthur Bauckhage von der NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation) zum Kommißar für sämtliche Dienststellen ernannt.
Der sozialdemokratische Arbeiter-Samariterdienst wird aufgelöst sowie deßen Unifiormen polizeilich beschlagnahmt.


Partei und Staat (12):
Rathausplatz 17: früher: Knapper Str. 17: Geschäft Ripp ehemals Knapper Str. 17, ab 1937 bis 9.11.1938: Knapper Str. 8



In einem schmalen Haus, welches im Zuge des Baus des Rathaustunnels abgerissen wurde, befand sich bis 1937 das Bekleidungsgeschäft Ripp, welches sich vormals neben dem Geschäft Lebenberg befand (s. Rundgang-Station 9).

Wenn man vor dem Haus Nr. 17 stehend nach rechts in die Knapper Str. blickt, so schaut man direkt auf die Straßenecke Knapper Str. Karlstr. Dort wo die Karlstraße in spitzem Winkel auf die Knapper Str. trifft, befand sich das letzte Geschäft (heute: Knapper Str. 8) des Ehepaares Ripp. Es wurde in der Reichspogromnacht (10. November 1938) von der SA zerstört.

Frau Ripp berichtete am 11.2.1957:

"Wir haben bis Oktober 1938 in Lüdenscheid gewohnt. Mein Mann ist im Oktober 1938 als polnischer Staatsbürger verhaftet und an die polnische Grenze gebracht worden. Ich hatte am 20. Okt. 1938 im jüdischen Krankenhaus Köln-Ehrenfeld unseren Sohn Uriel geboren und bin deshalb von der Abschiebung verschont geblieben.

Ende Mai 1939 wurde ich dann ausgewiesen und bin mit meinem damals kaum 7 Monate alten Sohn über die grüne Grenze gegangen. In Antwerpen bin ich mit meinem Mann zusammengetroffen und habe dann mit ihm zusammen bis zum Herbst 1944 versteckt gelebt. Ich war am 7. Oktober 1942 bei einer Razzia verhaftet worden und wurde in das Lager nach Mecheln gebracht.

Am 20. Okt. 42 befand ich mich auf dem Transport von Mecheln nach dem Osten; um dem sicheren Tod zu entgehen, bin ich, nachdem der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, aus dem fahrenden Zug (hin-)ausgesprungen und davon gelaufen. Ich bin zu meinem Manne nach Brüßel zurückgekommen und habe von dieser Zeit an bis zu(m) September 1944 den Keller in dem Hause Rue Masiu nicht verlaßen. Unser Sohn Uriel war in einem Hause uns gegenüberliegend bei einer arischen Familie versteckt; am 11.Mai 1944 ist er bei einem Bombardement von Brüßel-Schärbeck getötet worden."

(Quelle: Sta Münster Arns. Wieder 5508)


Partei und Staat (13):
Friedrichstraße 3: Ehem. Gestapo Lüdenscheid



Hier befand sich die Gestapo, die für die rassische und politische Verfolgung in Zusammenarbeit mit SA und Polizei zuständig war.
Ab 1943 war sie für die Überwachung der 7.500 Zwangsarbeiter in Lüdenscheid zuständig.


Partei und Staat (14-16):
14: "Haus der Jugend", 15: ehem. Städt. Krankenhaus, 16: ehem. Amtsgericht

Drei noch interessante Stationen sind ...
... 14: "Haus der Jugend",
... 15: ehem. Städt. Krankenhaus,
... 16: ehem. Amtsgericht.

Sie sind fußläufig nicht einfach zu erreichen, sollen hier aber mit beschrieben sein.

14: "Haus der Jugend":

Nach dem Verbot der freien Jugendarbeit waren ab 1938 mehr als 90% der Jungen in Lüdenscheid Mitglieder der Hitlerjugend. Sie traf sich seit 1937 im ehemaligen Evangel. Haus der Jugend, (damals: Friedrich Wilhelmstr. 1, heute: Friedrich Wilhelmstr. 19).
Der NS-Staat machte viele Spiel-, Freizeit-, Kultur- und Sportangebote im Geist der deutschen Volksgemeinschaft und als Vorbereitung auf den Krieg auch Schießübungen mit den Schützenvereinen. Der Bund deutscher Mädel prägte Mädchen als zukünftige Mütter vieler Kinder.

15: Das ehem. Städt. Krankenhaus:

Das Denken der Zeit spiegelt sich deutlich in dem Relief "Herkules im Kampf mit der neunköpfigen Hydra" von 1940, das über dem Haupteingang des damaligen Krankenhausneubaus eingelassen wurde.
Es zeigte das Verständnis vieler Künstler und Mediziner von der Heilkunst aus der Sicht des Sozialdarwinismus. Krankheiten wurden - wie in der Frühzeit der Menschen - als Wesen - hier: Schlange - des Bösen angesehen, die mit dem Schwert zu bekämpfen sind. Kranksein wird nicht zeitweise oder dauerhaft als Teil des menschlichen Lebens verstanden, der dadurch zum Nachdenken und zur Verantwortung angehalten wird, sondern als böser Feind, gegen den die Medizin mit physischer Gewalt kämpfen muß.

Der Patient gibt seine Krankheit dem Mediziner, der sie bekämpft. Die Aufgabe der Eigenverantwortung in der Medizin hatte ihr großes Vorbild in der Politik, der man die Verantwortung für alles überließ. Die Selbstentmündigung hatte mit dem Ermächtigungsgesetz des Reichstags am März 1933 begonnen und war in alle Lebensbereiche der Deutschen eingezogen.

Das neue Denken wurde auch von den NS-Krankenschwestern/ Reichsschwestern vertreten, denen 1937 die Stadt die Leitung des Pflegedienst im Krankenhaus übertrug, der vorher von evangelischen Krankenschwestern geleistet wurde.
Auch in Lüdenscheid wurde zwangsterilisiert.

16: ehem. Amtsgericht.:

Das Amtsgericht, Freiherr vom Stein/ Phillipstraße, urteilte nach den alten und den NS-Gesetzen. 1935 wurde jüdischen Deutschen die Staatsbürgerschaft genommen.
Zum "Schutz von Volk und Staat" nahm der seinen Bürgern die (Menschen-) Rechte: Rassistische Urteile, Schutzhaft und staatliche Willkür waren die Folge. Es gab vier Mal mehr Justizgefangene als in der Weimarer Republik.



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