Startseite    Übersicht    Impressum   

Otto Mannesmann

Geburtsdatum: 1900
Geburtsort: Lüdenscheid (?)
Sterbedatum: 18.03.1944
Sterbeort: KZ Stutthof

Stifter: AWO Ortsverein Lüdenscheid
Standort Stolperstein: Schillerstr. 9







Otto Mannesmann lebte in der Schillerstraße 9 in Lüdenscheid.
Wie viele Menschen am Rande der Gesellschaft war er wegen kleinerer Diebstähle in Notzeiten bereits vor der NS-Zeit behördlich auffällig. Zudem wurde er von den lokalen Nazibehörden als "Kommunistenfreund" stigmatisiert.

Das schwerwiegendste "Vergehen", das Mannesmann letztlich zum Tod führte, war jedoch seine Homosexualität.
Aufgrund des nationalsozialistischen § 175 Strafgesetzbuch, der männliche Homosexualität kriminalisierte, wurde er verhaftet. Der § 175 – in der verschärften Nazifassung ab 1935 massiv angewendet – diente als Grundlage für eine systematische Verfolgung homosexueller Männer:

  • Sie wurden denunziert, verhaftet, gefoltert und in Konzentrationslager deportiert.
  • Viele – wie auch Mannesmann – fielen im Vernichtungsapparat der KZ’s.
  • Im Gegensatz zu anderen Opfergruppen gab es für überlebende nach 1945 meist keine Anerkennung als NS-Opfer, sondern die Verfolgung setzte sich fort: Die Naziversion von § 175 galt in Westdeutschland bis 1969 weiter. Entschädigungsansprüche wurden abgelehnt, weil sie als "rechtmäßig verurteilte Straftäter" galten (s. Quellenangaben).
Otto Mannesmann wurde zunächst ins KZ Buchenwald deportiert, das zu den zentralen Haftorten für wegen § 175 Verurteilte zählte.
Dort mussten Häftlinge zur weiteren Demütigung den "rosa Winkel" als Kennzeichnung tragen. Mannesmann wurde später ins KZ Stutthof überstellt, wo er am 18. März 1944 verstarb oder ermordet wurde.

Die Todesumstände zeigen beispielhaft, wie NS-Justiz und KZ-System ein Klima der Willkür und Grausamkeit schufen, in dem Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung gebrochen und/oder umgebracht wurden.

Die Tragödie endete für viele Opfer homosexueller Verfolgung nicht mit dem Kriegsende:
  • Nach 1945 blieb der § 175 in der BRD in Kraft und wurde weiterhin angewandt – die Betroffenen erlebten weitere Verhöre, soziale Ausgrenzung, manchmal sogar Zwangskastrationen oder Internierungen (s. Quellenangaben).
  • Erst 1994 wurde der Paragraph endgültig gestrichen.
  • Die offizielle Rehabilitation Homosexueller erfolgte spät: Erst 2002 hob der Bundestag die Nazizeit-Urteile auf; im Sommer 2017 und 2018 folgten weitere Aufhebungen und eine Entschuldigung durch den Bundespräsidenten (s. Quellenangaben).
Erst seit Kurzem – etwa durch Stolpersteine wie für Otto Mannesmann – werden diese Schicksale öffentlich gewürdigt, und das kollektive Gedenken an homosexuelle Opfer der NS-Zeit wächst langsam auch in den Mittelpunkt des deutschen Erinnerns.

(Quellen: Stolpersteine für Homosexuelle – Die Verfolgung von Homosexuellen und § 175 - Die Verfolgung von Homosexuellen ging in der BRD weiter // Paragraph 175: Die Geschichte der strafbaren Homosexualität in Deutschland)

Exkurs - Das Konzentrationslager Stutthof

Das Konzentrationslager Stutthof wurde 1939 unweit der Stadt Danzig (heute Gdańsk, Polen) errichtet und war das erste NS-Konzentrationslager außerhalb des Reichsgebiets.
Es diente der Inhaftierung, Zwangsarbeit und systematischen Vernichtung von politischen Gegnern, jüdischen Menschen, Polen, sowjetischen Kriegsgefangenen sowie anderen „unerwünschten“ Gruppen unter dem nationalsozialistischen Regime.

Stutthof entwickelte sich bald zu einem der brutalsten Lagerkomplexe mit einem weit verzweigten Netzwerk an Nebenlagern.
Bis zur Befreiung 1945 wurden hier schätzungsweise 65.000 bis 85.000 Menschen ermordet.
Die Haftbedingungen waren von extremer Gewalt, Hunger, Zwangsarbeit und unmenschlicher Behandlung geprägt.
Viele Gefangene starben an Erschöpfung, Krankheiten oder wurden Opfer von Massenerschießungen und Vergasungen.

Das Lager wurde am 9. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit.
Heute befindet sich auf dem Gelände eine Gedenkstätte und ein Museum, die an die Schrecken und Opfer des Stutthof-Lagers erinnern.
Die Gedenkstätte dient als Mahnmal gegen das Vergessen und als Ort der Bildung über die Gräueltaten des Nationalsozialismus.

Homosexuelle KZ-Häftlinge (§175)

Homosexuelle Männer, die nach dem berüchtigten Paragraphen §175 des deutschen Strafgesetzbuches verurteilt wurden, zählten zu den besonders verfolgtengruppen im NS-Regime. Viele von ihnen wurden in Konzentrationslager wie Stutthof gebracht, wo sie unter extrem brutalen Bedingungen litten.
Sie wurden mit einem rosa Winkel gekennzeichnet, verfemt, schwer misshandelt und vielfach zu Tode gefoltert oder durch die harten Lagerbedingungen vernichtet. Das Stigma der Homosexualität verstärkte zudem ihre soziale Isolation sowohl innerhalb des Lagers als auch in der Nachkriegszeit.
Erst Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte eine langsame gesellschaftliche Anerkennung und Rehabilitation dieser Opfergruppe.

Originalzitate eines Überlebenden des KZ Stutthof, Abraham Koryski

„We were beaten constantly, the whole time, even while working. Worst of all were the whips.”
(„Wir wurden ständig geschlagen, die ganze Zeit, sogar während der Arbeit. Am Schlimmsten waren die Peitschen.”)

(Quelle: Engl. Bericht der Deutschen Welle (DW) vom 12. September 2019)

„Der Zeuge erzählte, wie ein SS-Mann einen Stuhl zerbrach. Er ging dann zu einem Vater und dessen Sohn und forderte, dass einer von ihnen den anderen mit einem Stuhlbein erschlagen solle. Wenn nicht, würde er beide erschießen. Der Vater entschied, dass der Sohn ihn erschlagen solle. "Er tat es", sagte Koryski. Dieses Geschehen hatte der Zeitzeuge auch im Verfahren gegen den SS-Wachmann Bruno D. vor dem Hamburger Landgericht im Dezember 2019 geschildert. Am Ende sei der Sohn erschossen worden.”

(Quelle: Bericht der TAZ: "Prozess um Massenmord in KZ Stutthof - Das Schweigen der KZ-Sekretärin" vom 20. Febr. 2022)

Quellen und weiterführende Informationen zu Stutthof

___________________________________________
xxxxxxxxx
___________________________________________
Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieser Seit unter der folgenden Lizenz veröffentlicht:
Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)