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Franz Feldmann

Geburtsdatum: 07.12. 1896
Geburtsort: Lüdenscheid
Sterbedatum: 16.03.1945 - offiziell für tot erklärt am 31.12.1945
Sterbeort: Bergkamen

Stifter: Familienangehörige
Standort Stolperstein: Im Hasley 10






Franz Eduard Feldmann wurde am 7. Dezember 1896 in Lüdenscheid geboren und stammte aus einer katholischen Familie. Nach dem Besuch der Overbergschule, absolvierte er eine Ausbildung zum Schleifer und arbeitete über viele Jahre hinweg als Facharbeiter und später als Vorarbeiter in der Firma Eduard Hueck. Dort war er außerdem langjährig Vorsitzender der betrieblichen Krankenkasse. Politisch war Feldmann als engagiertes Mitglied der katholischen Zentrumspartei aktiv. Als Mitglied der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) war er auch im Vorstand des Christlichen Metallarbeiterverbandes vertreten. Als überzeugter Demokrat lehnte er das nationalsozialistische Regime entschieden ab. Er war kein Mitglied der NSDAP.

Am 16. April 1943 änderte sich sein Leben grundlegend: An diesem Tag wurde Feldmann – aufgrund einer vorangegangenen Denunziation durch einen Arbeitskollegen – von der Geheimpolizei (Gestapo) in Lüdenscheid verhört. Ihm wurde vorgeworfen...:

"Der Angeklagte ist seit dem Jahr 1938 im Besitz eines fünf Röhren Radiogerätes, mit dem er schon vor dem Krieg, als das Abhören ausländischer Sender noch nicht verboten war, häufig ausländische Nachrichten abhörte. Nach Beginn des Krieges mit Sowjetrussland, insbesondere im Oktober 1942 hat der Angeklagte, wie er selbst zugibt, mehrmals Nachrichten ausländischer Sender in deutscher Sprache abgehört und zwar zweimal den Schweizer Sender Beromünster und einmal den Londoner Sender.

Auf seiner Arbeitsstelle bei der Firma Hueck in Lüdenscheid unterhielt sich der Angeklagte während der Frühstückspause und auch während der Arbeitszeit mit seinen Arbeitskameraden viel über politische Ereignisse, wobei er von seiner wenig staatsfreundlichen Einstellung keinen Hehl machte. Wiederholt machte er Arbeitskameraden gegenüber Äußerung in dem Sinne: "den Krieg können wir gar nicht gewinnen". "
(LAV NRW W, Regierung Arnsberg Wiedergutmachung Franz Eduard Feldmann # 26405, Urteil des Oberlandesgerichts in Hamm vom 4. August 1943, Aktenzeichen 5 O Js. 139/43)

Die Anklage lautete schließlich auf "Wehrkraftzersetzung" und "Rundfunkverbrechen". Das Sondergericht Dortmund verurteilte Franz Feldmann im Juli 1943 zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Zuchthaus, zunächst verbüsst in Rheinbach, später in Werl und Dortmund.
Gegen Ende des Krieges kam er, wie viele andere politische Gefangene, einem lebensgefährlichen Bombenräumkommando der Wehrmacht zugeteilt.

Am 16. März 1945 wurde Franz Feldmann im westfälischen Bergkamen bei der Entschärfung einer Fliegerbombe vermutlich getötet oder gilt seither als vermißt. Am 31. Dezember 1945 wurde er offiziell für tot erklärt.

Seine Ehefrau Erna Feldmann (geb. Happ) sowie die beiden Söhne Wilhelm Karl und Helmut überlebten den Krieg.
Besonders Erna Feldmann und Helmut Feldmann bemühten sich in den Nachkriegsjahren darum, die Umstände seiner Verhaftung, Haft und postume Anerkennung im Rahmen von Wiedergutmachungsverfahren mit großer Sorgfalt zu dokumentieren.

Franz Feldmann steht für den "stillen Widerstand" – für Mut, politische Integrität und Menschlichkeit in einem totalitären Regime. Er war kein Held im klassischen Sinn, aber ein Mann, der seine überzeugungen nicht verriet und den Mut hatte, nicht mitzulaufen und seine Meinung mit anderen zu teilen.


(Quellen: Hans-Ulrich Dillmann: "Franz Feldmann: Ein aufrechter Mensch wird Opfer eines Denunzianten“, in: Der Reidemeister Nr. 224, Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e.V., September 2023, S. 10–18 (PDF) // LokalDirekt: Hans-Ulrich Dillmann holt Schicksale ans Licht )

Exkurs - Bombenräumkommando und gefährliche Umstände zum Kriegsende in Bergkamen

Gefährliche Arbeit mit Bombenräumkommandos

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurden politische Gefangene und andere Häftlinge wiederholt zwangsweise für Bombenräumkommandos eingesetzt. Diese extrem risikoreichen Einheiten hatten die Aufgabe, nicht detonierte Fliegerbomben und Luftminen zu orten und zu entschärfen, die bei den zahlreichen Luftangriffen auf deutsche Städte und wichtige militärische Anlagen liegen geblieben waren.
Die Arbeit war lebensgefährlich, da die Sprengkörper oft instabil waren, die eingesetzten Gefangenen aber kaum geschult oder mit geeigneter Schutzkleidung und technischer Ausrüstung versorgt wurden. Zusätzlich zu den äußerst gefährlichen technischen Bedingungen erschwerten Zeitdruck und die unmenschliche Behandlung durch Aufseher die Arbeit

Historischer Kontext: Politische Gefangene und Zwangsarbeit

Das NS-Regime setzte bewusst politische Gegner, sogenannte „Schutzhäftlinge“, für besonders gefährliche und lebensbedrohliche Arbeiten ein.
Diese Zwangsarbeit diente nicht nur der Kriegswirtschaft, sondern oft auch der physischen und psychischen Zermürbung der Gefangenen sowie der Abschreckung Andersdenkender. Besonders gegen Kriegsende nahmen derartige Einsätze zu, vor allem im Ruhrgebiet, das schwer von Luftangriffen getroffen wurde. Viele Häftlinge verloren durch die riskanten Bombenräumarbeiten ihr Leben oder wurden dauerhaft verletzt.

Lokale Situation in Bergkamen

Bergkamen war aufgrund seiner Chemischen Werke, unter anderem zur Herstellung von Flugbenzin, ein bedeutendes Ziel strategischer Luftangriffe alliierter Bomber. Als Folge blieben im Boden zahlreiche Blindgänger liegen, die entschärft oder entfernt werden mussten.
Die Bombenräumkommandos, in die auch Gefangene wie Franz Eduard Feldmann eingereiht wurden, mussten unter extrem gefährlichen Bedingungen und oft mit unzureichender Ausrüstung diese lebensgefährlichen Aufgaben erfüllen.

Aktuelle Kampfmittelentschärfungen in Bergkamen, etwa wie im März 2025, sind Zeugnisse der lang andauernden Problematik von Blindgängern aus der Kriegszeit. Die Bergkamener Entschärfer berichteten von erschwerten Bedingungen wie hohem Wasserstand im Boden und zeitweise verzögerten Arbeiten wegen Bahnbetriebs. (Quelle: Kamen-Web)

Generelle historische Einordnung: Luftangriffe und Nachkriegsbombenräumungen

Das Buch „Bomben und Legenden. Luftangriff auf Freiburg am 10. Mai 1940“ von Gerd R. Ueberschär und Wolfram Wette (Verlag Rombach, Freiburg 1981) dokumentiert exemplarisch die verheerenden Folgen von Luftangriffen und die über längere Zeit notwendigen und gefährlichen Folgearbeiten bei nicht detonierten Bomben. Es illustriert, wie Luftangriffe zivile Zentren zerstörten und wie Bombenräumkommandos lebensgefährliche Einsätze durchführten, um weitere Katastrophen zu verhindern. Die Erkenntnisse daraus lassen sich gut auf Situationen wie in Bergkamen oder ähnlichen Orten übertragen, an denen politische Gefangene oft für solche Einsätze missbraucht wurden.

Wörtliches Zitat aus dem APuZ-Artikel „‘Wenn Sie nicht ins KZ wollen ...’. Häftlinge in Bombenräumkommandos“ der Bundeszentrale für politische Bildung (APuZ 16/1977):

„Während des Zweiten Weltkrieges war es die Aufgabe des Sicherheits-und Hilfsdienstes, nicht detonierte Abwurfmunition unschädlich zu machen. Zu diesen riskanten Arbeiten wurden als Hilfskräfte zeitweise Kriegsgefangene, vor allem aber Strafgefangene und KZ-Insassen herangezogen. Sie mußten die Bomben freilegen und nach dem Entschärfen durch Feuerwerker abtransportieren. Mit der Zunahme der Blindgänger und der Bomben mit Langzeitzündern wuchsen auch die Verluste. Dennoch meldeten sich Strafgefangene, auch politische Häftlinge, freiwillig; dieser Einsatz bot die einzige Möglichkeit, der Einweisung in ein KZ zu entgehen oder dem ,Lebendig-begraben-Sein‘ im Zuchthaus zu entrinnen.“
(APuZ 16/1977)

„Im Kreis Moers wurden nach dem Bombenabwurf am 11./ 12. Mai 1940 ein Feuerwerker und zwei Soldaten bei der Entschärfung eines Blindgängers getötet; in Frankfurt detonierte am 7. Juni 1940 ein gerade freigelegter Blindgänger und tötete sieben Angehörige des Instandsetzungsdienstes und einige Strafgefangene; am 4. August 1940 wurden im Landkreis Borken zwei Soldaten getötet und vier verletzt, als sie eine Bombe freilegten, die bereits seit 13 Tagen im Boden lag; am 28. September 1940 wurden in Hamm sechs Angehörige des Sprengtrupps getötet. Die Verluste entstanden nicht nur bei der Entschärfung oder Freilegung der Blindgänger. In der Nacht zum 3. Juni 1941 wurde eine Halle der Deutschen Röhrenwerke in Düsseldorf von sechs Sprengbomben zerstört. Die siebte Bombe lag als Blindgänger auf der Walzenstraße. Als ein Oberleutnant vom Sprengkommando zur Besichtigung kam und prüfte, ob eine vorzeitige Sprengung erforderlich sei, detonierte die Bombe und tötete ihn.“
(APuZ 16/1977)

Quellen und weiterführende Literatur

Der Lüdenscheider Zeitzeuge Richard Oettinghaus berichtet in seinem Buch "Ich hing für Deutschland am Pfosten 1942 - 1948 / Richard Oettinghaus Monika und Peter Oettinghaus" unter anderem von seinen persönlichen Erlebnissen in einem Bombenräumkommando während des Zweiten Weltkriegs. Das Buch gilt als wichtige lokale Quelle für die Perspektiven von Betroffenen solcher Einsätze, ist jedoch aktuell vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich.



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